Interview mit Attila Hildmann

Attila war auch einer der Ersten, der “vegan&bio”, das neue Magazin aus dem bio verlag, in den Händen hielt.

Vor dreieinhalb Jahren, im Juni 2010, hat Attila Hildmann im Naturkostmagazin Schrot&Korn vegane Grillrezepte präsentiert. Schon damals passten Hildmann und Schrot&Korn perfekt zusammen, denn beiden, dem Kultkoch und dem Kundenmagazin in Bio-Läden, sind die biologische angebauten Zutaten beim Kochen wichtig.

Attila, dein neues Kochbuch „Vegan for fit“ ist vom Start weg in den Bestseller-Listen, herzlichen Glückwunsch!

Ich freu‘ mich wirklich sehr, niemand hätte gedacht, dass sich das so entwickelt, dass jemand mit einem veganen Kochbuch, das sich für Bio-Essen einsetzt, solche Erfolge hat. Ich erinnere mich noch, wie ich mit meiner veganen Grillstrecke bei euch im Heft angegeben habe. Das war im Juni 2010 für mich die erste auflagenstarke Zeitschrift. In der Zeit, wo ich noch keinen Verlag hatte, noch alles selbst fotografiert habe. Für mich wird da ein Traum wahr.

Was genau ist dein Traum, dein Ziel?

Ich will vegane Küche attraktiv machen, damit sie rauskommt aus dieser Klischee-Ecke von dogmatischen Aktivisten. Für mich ist es auch keine Religion. Ich will die Idee nicht ideologisch überfrachten, sondern einfach an sich scheinen lassen. Die Idee, dass man mit Lebensmitteln Zivilisationskrankheiten vorbeugen kann, ein Zeichen gegen Armut in der dritten Welt und gegen Regenwaldabholzung setzen kann. Ich will Leute bewegen, sie motivieren, etwas zu verändern.

Du selbst hast etwas verändert, du bist vor 12 Jahren auf vegetarisch umgestiegen, recht bald dann auf vegan. Warum?

Mein Vater war damals vor meinen Augen an einem Herzinfarkt gestorben. Er war nicht übergewichtig, aber ein Workaholic mit zu hohen Cholesterinwerten. Und der BSE-Skandal war noch ziemlich präsent. Jedenfalls habe ich mich mehr mit Ernährung beschäftigt, mich selbst als übergewichtigen Jugendlichen gefragt: „Was machst du jetzt mit deinem Leben?“ Schnell kam da auch der ethische Aspekt ins Spiel. Die Frage: „Kannst du für deinen eigenen Konsum wirklich einem Tier das Leben nehmen?“

Ich bin gleich Lakto-Vegetarier geworden. Aber meine Cholesterinwerte blieben immer noch sehr hoch. Und ich hatte mich genauer über die Zustände bei der Milchproduktion informiert. Also habe ich gedacht, ich springe jetzt ins kalte Wasser, versuche das Vegane einfach und werde sehen, wie ich mich fühle.

Hast du da noch zu Hause gewohnt – und gekocht?

Ich war gerade mit meiner Freundin zusammengezogen. Wir haben viel ausprobiert, sind von einem Bio-Laden zum anderen und haben Luftsprünge gemacht, wenn wir wieder einen Aufstrich gefunden haben. Damals gab es ja noch nicht diese Produktvielfalt und kaum Rezepte. Und das wollte ich dann mit den Leuten teilen. Am Anfang tat ich das in meinem Rezept-Blog. Mittlerweile stehen für mich auch andere Fragen im Mittelpunkt. Ich freue mich darüber, wenn Leute wie bei der Vegan-for-fit-Challenge 30 Tage kein Fleisch, keine Milchprodukte und keine Eier, aber Bio essen. Und wenn sie danach dabei bleiben und sagen „Ich habe etwas mitgenommen, ich achte auf hohe Qualität“, dann ist eines meiner Ziele erreicht: Dass die Leute ihr hart verdientes Geld den Firmen geben, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Also auch eine Challenge, die Welt zu verändern?

Ja. Ich ärgere mich einfach darüber, dass Bio nur etwa drei Prozent Anteil am kompletten Lebensmittelmarkt hat. Einmal saß ich zum Beispiel in einer Talkshow zum Thema „Bio-Wahn“ und dachte nur: Leute – alles andere ist Wahn. Ich bin davon überzeugt: Wenn viele Leute kleine Dinge tun, kannst du die Welt verändern.

Werden wir praktisch: Was war früher dein Lieblingsessen?

Käsefondue! Ich habe Käse geliebt. Man könnte sagen, ich bin wie ein Obelix früher statt in einen Zaubertrank in ein Käsefondue gefallen. In der Übergangsphase bin ich da auch schwach geworden und habe mir eine Pizza Quattro formaggio geholt. Ich bin ja nicht vegan geboren.

Käsefondue lässt sich schwer ersetzen …

Doch, ganz toll. Wenn du Mandelmus mit Weißwein, Muskat und Knoblauchzehen aufkochst, hat das echt Käsefonduegeschmack. Mit weißem Mandelmus bekommst du auch eine super Sahnesoße hin. Das sind so Dinge, die ich erst in den letzten Jahren durch ständiges Experimentieren gelernt habe. Und die ich im Buch zeige: eine kreative Gemüseküche, keine Küche mit Ersatzprodukten.

Und was isst du heute am liebsten?

Mein aktuelles Lieblingsgericht sind Zucchini-Spaghetti alla Carbonara. (Anm. d. Red.: Das Rezept finden Sie im Internet unter www.schrotundkorn.de/attilasrezept.)

Vegane Ernährung hat auch kritische Punkte, was die Vitaminversorgung angeht.

Das stimmt, Vitamin D im Winter und Vitamin B12. Die supplementiere ich auch.

Ich habe Vegan for fit in meinem Fitness-Studio gezeigt. Die erste Frage war: „Woher bekommt er das Eiweiß für seine Muskeln?“

(lacht) Ich habe vor einem Dreivierteljahr erst so richtig mit Krafttraining angefangen und explodiere einfach. Ich esse gepoppten Amaranth, Quinoa, Hirse, Hülsenfrüchte … Und: Ich warte lange genug, bis sich mein Körper wieder regeneriert hat. Der ist ja schließlich keine Maschine.

Wusstest du, dass das Wappentier von Eintracht Frankfurt auch Attila heißt? Es ist ein Adler …

Nein, echt? Das passt ja gut zum Buchcover – die Arme ausbreiten wie ein Adler …

Könntest du dir eine Zusammenarbeit in Richtung Vegan for Fußball vorstellen?

Ja, klar – neulich erst habe ich Thomas Berthold getroffen, den ehemaligen Nationalspieler – er und seine Frau sind auch Veganer. Ich glaube, dass man alle erreichen kann, wenn man erst mal damit aufgeräumt hat, dass Veganer einem angeblich alles verbieten wollen.

Was sind deine nächsten Pläne? Wird es bald eine Kochshow geben? Oder ein Restaurant „VegATTILAn?“

Guter Name! Den Pilot für eine Kochshow haben wir schon abgedreht, das wird definitiv kommen. Und das wird lustig! Ich koche, gehe dann in Kreuzberg auf die Straße und versuche zum Beispiel ein veganes Sandwich gegen einen Döner zu tauschen. Früher oder später kann man auch über ein Restaurant nachdenken, aber in großem Maßstab, als Kette. Davon sollen dann alle profitieren.

Schrot&Korn-Redakteurin Andrea Giese-Seip traf Attila Hildmann nach den Aufnahmen für ein neues Projekt in einem Frankfurter Fotostudio.

Kommentare

Kommentar von Amirim |

Attila Hildmann täte gut daran sich mal mit dem Buch von Lierre Keith zu befassen, einer ehemaligen Veganerin – siehe mein Link! Lierre Keith räumt gründlich mit den Mythen des Veganismus auf.
Der schlimmste und unverzeilichste Mythos der Veganer ist die Vorstellung, dass hohe Blutcholesterinwerte in irgendeiner Weise krank machen würden. Auch Attila Hildmann kann es nicht lassen – wie man in seinem neuesten Buch “vegan for fun”nachlesen kann – diesen alten Mythos vom angeblich “bösen” Cholesterin immer wieder herunterzubeten. Und der Vegetarierbund Deutschland kürt dieses schlechte Buch auch noch zum besten Buch des Jahres. 
Da muss man sich doch mal fragen: wo leben wir eigentlich? Machmal komme ich mir vor, wie im Mittelalter, wenn ich sehe, was für ein Stuss sich die Veganer da zusammengereimt haben. Vegetarier sind doch sonst auch eher kritische Leute, die nicht alles blindlings glauben, was in der Zeitung steht. Weshalb nehmen sie dann die gebetsmühlenartigen Wiederholungen der Massenmedien, wonach Cholesterin krank machen würde, trotzdem als bare Münze? Das ist für mich unfassbar. Dass Cholesterin in irgendeiner Weise krank machen würde, ist wissenschaftlich längst widerlegt. Wer das Gegenteil behauptet, lebt entweder hinter dem Mond oder er verdient sein Geld mit cholesterinsenkenden Medikamenten der Pharmamultis, welche für diese Firmen ein wahrer Goldesel sind. Der Mythos vom angeblich “bösen” Cholesterin wird nur deshalb von den Medien immer weiter geschürt, weil dahinter gewaltige wirtschaftliche Interessen stehen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Hälfte aller Herzinfarkte bei Leuten passiert, die ganz normale Cholesterinwerte haben! Und die Arbeiten von Ahrens und Kuo haben sogar gezeigt, dass bei einer hohen Cholesterinaufnahme mit der Nahrung die Blutcholesterinwerte sogar abfallen! Man hat also mit Cholesterin schlicht aufs falsche Pferd gesetzt: das Cholesterin für irgendeine Krankheit verantwortlich zu machen ist genauso absurd, wie wenn man die Feuerwehrleute erschießt, weil es irgendwo brennt. Der dänische Arzt Uffe Ravnskov hat sogar nachgewiesen, dass Leute mit hohen Blutcholesterinwerten eine höhere Lebenserwartung haben, psychisch viel stabiler sind und viel seltener an Krebs erkranken! Das macht deutlich, was für eine immanent wichtige Rolle das Cholesterin für unsere Gesundheit hat! Ravenskov erhielt 1998 den Skrabanek Award und 2007 den Leo Huss Waline Prize. Sein Buch “Mythos Cholesterin”, ebenfalls wie das Buch von Lierre Keith, sollte eine Pflichtlektüre sein für alle, denen unsere Gesundheit am Herzen liegt.

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